27. Oktober 2018

Modellprojekt der Diakonie-Saar für Wohnungslose: „Housing first – Wohnen zuerst“


"Housing first - Wohnen zuerst" heißt ein neuer Ansatz in der Wohnungslosenarbeit. Die Diakonie Saar hat dazu im Regionalverband Saarbrücken seit 1. Juni ein dreijährigen Modellprojekt aufgelegt. Finanziell unterstützt wird der Wohlfahrtsverband dabei von der der „Aktion Mensch“.

Studien zeigen: Obdachlose, die schnell wieder eine eigene Wohnung bekommen und dann im Alltag unterstützt werden, stehen stabiler wieder auf eigenen Füßen als wohnungslose Menschen, die erst jahrelang in Unterbringungseinrichtungen gelebt haben und beweisen mussten, dass sie „wohnfähig“ sind.  Bei „Housing first - Wohnen zuerst“ erhalten wohnungslose Männer und Frauen eine eigene Wohnung mit eigenem Mietvertrag, unbefristet und ohne Bedingungen.

„Vor ‚Housing First‘ waren die sogenannten Stufenplan-Modelle der dominierende Ansatz in der Wohnungslosenarbeit. Darunter versteht man ein abgestuftes System von Wohnhilfen, welche zeitlich nacheinander von wohnungslosen Menschen durchlaufen werden müssen, bevor ein reguläres Wohnverhältnis beginnen kann“,  erläuterte Sigrun Krack, Bereichsleiterin in der Wohnungslosenarbeit. Bei Projekten nach den Prinzipien von „Housing First“, so zeigten Erfahrungen, wurden für mindestens 80 Prozent der Betroffenen die Wohnungslosigkeit dauerhaft beendet. Auch die Wirtschaftlichkeit spiele eine Rolle: „‘Housing First‘ ist kostengünstiger, weil die mit Wohnungslosigkeit einhergehenden Folgekosten deutlich verringert werden“, betonte Krack.

 

Personen helfen, die sonst eher ausgegrenzt werden 

„Außerdem ist es angesichts der zunehmend abgespannten Wohnungsmarktsituation in Saarbrücken in vielen Fällen erforderlich, über die Vermittlungstätigkeit von ‚housing first‘ Personengruppen zu einer Wohnung zu verhelfen, die sonst eher ausgegrenzt beziehungsweise vom Markt diskriminiert werden“, so Guido Freidinger, Leiter des für die Vermeidung und Beseitigung von Obdachlosigkeit zuständigen Amtes für soziale Angelegenheiten der Landeshauptstadt.

 

Ein großes Problem dabei ist: In Saarbrücken und anderen Großstädten gibt es kaum bezahlbaren, geeigneten Wohnraum.  „Über eine Kooperationen zwischen kommunalpolitischen Entscheidungsträgern, Wohnungsgesellschaften, privaten Vermietern und der Diakonie Saar erhoffen wir, eine ausreichende Anzahl an Wohnungen zu finden“, sagte Krack.  In der dreijährigen Projektlaufzeit würden acht bis zehn dezentral in Saarbrücken und Völklingen gelegene Wohnungen benötigt. Um die Chancen, Wohnungen zu finden, zu erhöhen plane die Stadt Saarbrücken, bei privaten Vermietern Risiken abzusichern, sagt Freidinger. 

 

Diakonie sucht Vermieterinnen und Vermieter

Sind Betroffene erst einmal in ihrer eigenen Wohnung angekommen, steht Mitarbeiter Achim Ickler als Ansprechpartner zur Verfügung. Er vermittelt so lange wie erforderlich weitere, passgenau auf ihre konkreten Lebensumstände zugeschnittene Hilfen. „Die Angebote erstrecken sich auf alle zentralen Lebensbereiche wie Wohnen, Gesundheit oder Alltagsstrukturierung  und –bewältigung. Art und Umfang werden von den Betroffenen bestimmt“, erläuterte Ickler. „Die Kompetenzen der Betroffenen sollen gestärkt und ihnen ein größtmögliches Maß an Selbstständigkeit und Entscheidungsfreiheit zugestanden werden.“

 

Die Diakonie Saar sucht Vermieterinnen und Vermieter, die bereit sind  Wohnungen für das Projekt zur Verfügung zu stellen. Ickler steht als Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Vermietung zur Verfügung: Telefon 0681 38983-44, E-Mail housing-first@dwsaar.de.





Zurück