08. März 2021

Der Begeisterte Mensch


Der Begeisterte Mensch Gedanken zur Spiritualität von Juliane Opiolla...

...„Ruach“ heißt die neue Ausstellung in der Johanneskirche. Ruach: hebräisch für den Lebensatem, den heiligen Schöpfergeist Gottes, altgriechisch pneuma, lateinisch spiritus.
Schon vom Wort her ist klar: Spiritualität hat etwas mit Gottes Geist zu tun.
Das Angebot dessen, was heute unter dem Begriff „Spiritualität“ auf dem Markt existiert, ist zwar unüberschaubar, aber wenn wir im christlichen Kontext von Spiritualität reden, sind wir dem Geist Gottes auf der Spur und seinem Wirken in uns. Genauso zahlreich wie die Angebote sind die Definitionen von Spiritualität. Aus meiner langjährigen Erfahrung als evangelische Pfarrerin, geistliche Beglei- terin und Kontemplationsbegleiterin, aber auch als Gott-Liebende und Gott-Suchende sage ich: Spiritualität ist unsere menschliche Bezogenheit auf Gott. Sie ist die grundsätzliche Möglichkeit, Gott zu erfahren: als eine Wirkkraft, als etwas in uns und um uns herum, als ein Du, das uns trägt und umgibt. Uns und unsere Welt. Gott hat uns seinen Lebensatem (seine ruach, seinen spiritus) eingehaucht (1. Mose 2,7), und so sind wir spirituelle, be-geist-erte Menschen. Gott ist uns so nah, wie unser eigener Atem.
Ich kann Gott durch seinen Geist erfahren, aber ich kann diese Erfahrung nicht selbst auslösen. Und Gott ist viel mehr, als ich in meiner menschlichen Begrenzung fassen kann. „Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist“, erklärt Jesus. (Johannes 3, 8)
Wir sind also spirituelle Geschöpfe, durch unseren Lebensatem auf Gott bezogen. Ob und wie wir aber diese göttlich-menschliche Beziehung in spirituelle Praxis umsetzen, ist eine andere Frage. Das ist vergleichbar mit zwischenmenschlichen Beziehungen. Wir sind grundsätzlich liebes- und beziehungsfähig, aber wir gestalten unsere Beziehungen sehr unterschiedlich: Als Paar, als Eltern, als Freund*innen, in einer Gemeinschaft, in der Zuwendung zu bedürftigen Menschen. Ähnlich sucht auch unsere Bezogenheit auf Gott nach vielfältigen Ausdrucksformen: in der feierlichen gottesdienstlichen Gemeinschaft, in der Stille, im Hören auf Gottes Wort, im eigenen oder gemeinsamen Gebet - aber ebenso auch in der Kunst und Musik, im Gestalten, in der Wahrnehmung meines Leibes, im Berührt-Sein von Natur und Schönheit …
Der Geist Gottes ist kreativ, denn er ist Schöpfer-Geist (lat. creator = Schöpfer)! Und so darf und muss auch unsere spirituelle Praxis kreativ sein, schöpferisch, bauend und bewahrend: Eine heilsame Mischung aus althergebrachten Traditionen und neuentdeckten Formen. Zur Begleitung dieser spirituellen Spurensuche gibt es in unserer evangelischen Kirche geistliche Begleiter*innen: Sie unterstützen Menschen und Gruppen bei ihrer spirituellen, also geistlichen Spurensuche in ihrem Leben. Sie helfen, die eigene Spiritualität wahrzunehmen und eine heilsame spirituelle Praxis zu entwickeln. Beim Besuch der Ausstellung ruach möchte ich auch Sie zu einer spirituellen Übung ermuntern:
Nehmen Sie sich einen Moment der Stille, bevor Sie beginnen. Schauen Sie dann möglichst unvoreingenommen mit offenen Augen und offenem Herzen in den Kirchraum, auf die Installation, auf das Licht. Lassen Sie dies auf sich wirken, spüren Sie in sich hinein: Welche Stimmungen, Gefühle, Bilder und Erinnerungen weckt das in mir? Wo bin ich in meinem Glauben, in meiner Gottesbeziehung berührt?
Ich wünsche Ihnen gesegnete Erfahrungen und Begegnungen mit sich selbst, mit Gott und den Menschen!

Im Anhang finden Sie auch eine pdf-Datei zum Herunterladen des Textes.

 

 

 


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Juliane Opiolla Kirchengemeinde Schwalbach
Pfarrerin Juliane Opiolla
Weizenhübelstraße 5
66359 Bous
Telefon: 06834/7801752




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