25. Oktober 2021

Ein Ausprobierer geht zurück zu seinen Wurzeln


Nach über 14 Jahren verlässt Pfarrer Klaus Künhaupt die Evangelische Kirchengemeinde Merzig und tritt eine neue Stelle in einem Stadtteil von Essen an. Mit einem Anti-Einbruchs-Video war er vor ein paar Jahren für kurze Zeit bundesweit in der Presse. Nun wird er am kommenden Sonntag verabschiedet.

Die unkonventionelle Stellenausschreibung per Video gab den Ausschlag. „Sympathische Menschen warben darin um einen neuen Pfarrer, auf den sie sich freuten. Das passt doch zu mir“, beschreibt der Merziger Pfarrer Klaus Künhaupt den Hintergrund seiner Bewerbung nach Nordrhein-Westfalen. Zum 1. Dezember wird er Pfarrer in der Evangelischen Erlöserkirchengemeinde Holsterhausen, einem Stadtteil von Essen.

Nun heißt es für den 51-jährigen und seine Familie raus aus dem Saarland, nach über 14 Jahren, und zurück in die alte Heimat. Als er sich damals, 2007, nach mehreren erfolglosen Versuchen in Merzig bewarb, gab es auch dort viel zu viele Bewerber*innen. Dass sich das Presbyterium für ihn entschied, sieht er heute noch mit Dankbarkeit und Wertschätzung. Dass er so lange bleiben würde, gerechnet hat er damit nicht.

In dieser Zeit hat Klaus Künhaupt, stets der Ausprobierer, viel angestoßen. Seither gibt es regelmäßig Tauffeste am Bach, eine Aktion, die er gemeinsam mit dem Pfarrkollegen Jörg Winkler und Prädikant Frank Paqué erarbeitet hat. Die Merziger Friedenskirche bekam eine neue künstlerische Ausstattung (und ihren Namen), in Zeiten der Corona-Pandemie war er der erste Pfarrer im Kirchenkreis, der während des Lockdowns regelmäßig Gottesdienste streamte.

So ist auch mehr als ein bisschen Wehmut dabei, wenn der Abschied näher rückt. Dem gegenüber stehen die Freude, wieder näher an den Angehörigen im Pott zu sein und der Wunsch, im letzten Drittel des Berufslebens noch einmal eine neue Herausforderung zu suchen. Das Schöne sei, sagt Künhaupt, er müsse nicht gehen, er dürfe. Oder kurz: „Es gibt viele ‚Pull-Faktoren‘ und nur wenig ‚Push-Faktoren‘“.

Künhaupt wirkte auch über die eigene Gemeinde hinaus. Vor ein paar Jahren rief er ein Programm ins Leben, um Pfarrer*innennachwuchs für das Saarland zu begeistern.
Unvergessen der Auftritt, der ihn für einen kurzen Moment in die bundesweite Presse brachte: Nach einem Einbruch im Merziger Gemeindezentrum mit mehreren Tausend Euro Sachschaden für weniger als drei Euro Beute drehte Künhaupt kurzerhand ein Video, in dem er die neuen Sicherheitsvorkehrungen präsentierte und die Einbrecher aufforderte, nachts doch bitte nicht mehr zu kommen. Auf Facebook und Youtube wurde der Clip so ein Hit, dass der Radiosender „Unser Ding“ es aufgriff und ein Rap-Video daraus zusammenschnitt – „MC Künhaupt“ war geboren.
Zuletzt erzählte er in seinem eigenen Podcast Bibelgeschichten („Kuen erzählt“).

Klaus Künhaupt wird am Reformationstag, 31. Oktober, 15 Uhr, bei einem Gottesdienst mit anschließendem Empfang in der Stadthalle Merzig verabschiedet. Eine Voranmeldung beim Evangelischen Gemeindeamt Merzig ist notwendig: merzig@ekir.de,





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