18. Juli 2022

Neunkircher Kita „Arche Noah“ des VEKiS ist Modell-Kita „mit besonderen Herausforderungen“


Die Ev. Kita „Arche Noah“ in Neunkirchen Modell-Kita im Rahmen des Projekts „Kitas mit besonderen Herausforderungen“ im Saarland. Dank Fördermitteln konnte der VEKiS für die „Arche Noah“ eine Ergotherapeutin einstellen, die ein allgemeines Turnprogramm und individuelle Förderung für Kinder anbietet.

„Ja, noch ein bisschen, du schaffst das!“ feuert Jenny Fuchs ein Mädchen im bunten Sommerkleid an, das sich gerade eine breite Matte hinaufhangelt. Fuchs kennt die Kinder, weiß genau, wer abenteuerlustig ist oder wer mehr Motivation benötigt. Seit gut einem Jahr leitet die Ergotherapeutin in der Kita „Arche Noah“ in der Neunkircher Goethestraße ein tägliches Turnprogramm. Vormittags herrscht reger Betrieb, 30 bis 40 Kinder in drei Stunden sind dabei. So kommt jedes Kita-Kind zumindest einmal in der Woche dran. Zudem gibt es nachmittags spezielle Förderangebote in Kleingruppen, in denen Kinder nach ihren Bedürfnissen gezielt gefördert werden.

Gewöhnlich ist das nicht. Denn Gesetzeslage und Finanzrahmen erlauben in Kindertageseinrichtungen eigentlich nur pädagogische Fachkräfte wie zum Beispiel Erzieher:innen und Kinderpfleger:innen. In der „Arche Noah“ ist das anders. Sie eine von 27 Modell-Kitas im Saarland, die im Rahmen des Projekts „Kitas mit besonderen Herausforderungen“ Fördergelder aus dem „Gute-Kita-Gesetz“ des Bundes erhalten. Eine Viertel-Personalstelle pro Gruppe in der Einrichtung kann so zusätzlich finanziert werden. Fast alle Modell-Kitas liegen in sozialen Brennpunkten, die Mehrzahl der Elternbeiträge wird vom Amt übernommen. Der Anteil an Kindern mit Förderbedarf ist dort besonders hoch, hinzu kommen häufig interkulturelle Herausforderungen.

„Das Land hat sich entschieden, mit den Mitteln aus dem Gute-Kita-Gesetz die seit langem bekannten Probleme anzugehen“, sagt Diemuth Hock-Forth, pädagogische Geschäftsführerin des Verbands Evangelischer Kindertagesrichtungen im Saarland (VEKiS), zu dem sechs der Modell-Kitas gehören. Auch für den Träger ist das Projekt eine Herausforderung. Deshalb hat sich der Verband entschieden, zusätzlich zu den geförderten Projektstellen für die Dauer des Projekts mit Stephanie Weber eine Mitarbeiterin zur Koordination der beteiligten Einrichtungen einzustellen und aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Ein Alleinstellungsmerkmal unter den Trägern, aber eines, das sich ausgezahlt habe: „So liegen Bedarfsermittlung, Vernetzung der Einrichtungen und Evaluation in einer Hand“.

Ein Vorteil des Förderprogramms: Die Träger der Kindertageseinrichtungen können selbst entscheiden, welche Profession die neu eingestellten Fachkräfte haben, je nachdem, was vor Ort am dringendsten gebraucht wird. Während andernorts beispielsweise eine Arabisch sprechende Kulturvermittlerin unterstützt, ist es in der Neunkircher „Arche Noah“ mit Jenny Fuchs eben eine Ergotherapeutin. „Viele Kinder hier haben kaum Bewegungserfahrung, haben verschiedene Bewegungsabläufe nie ausprobiert. Dabei sind diese wichtig für ihre kognitive Entwicklung“, sagt Fuchs. Neben dem Turnprogramm mit Animation besteht ihre Aufgabe darin, Eltern und Kolleginnen zu beraten. „Ich habe mit meiner Ausbildung einen anderen Blick auf Kinder und ihre Entwicklung. Ich kann Empfehlungen geben, welches Kind zusätzlich individuelle Förderung benötigt“, ergänzt sie. In der Kita könnten die Kinder Bewegung als Teil ihres Alltags kennenlernen.

Sollte das Projekt nicht verlängert werden, ist 2023 Schluss. Beim VEKiS hofft man sehr, dass auch zukünftig Fördergelder bereitgestellt werden. „Multiprofessionelle Teams in Kitas ermöglichen eine frühzeitige Präventionsarbeit. Wir können Kinder auffangen, bevor sie sprichwörtlich in den Brunnen gefallen sind“, betont Koordinatorin Stephanie Weber. Das Projekt sei ein Beispiel, wie gut das in der Praxis funktioniert.

In Neunkirchen sind sich alle einig: Das Projekt hat sich bewährt. Die Kinder der Kita „Arche Noah“ sind mit Feuereifer dabei. Man merkt, wie viel Spaß sie haben, sich selbst auszuprobieren. Ein Angebot mit Sinn – und Erfolgen: Nach nur einem Jahr lassen sich merkliche Verbesserungen im Bewegungsapparat der Kinder feststellen. „Mir wurde schon mehrfach gesagt: ‚Wow, wie toll, dass dieses Kind das kann‘“, freut sich Jenny Fuchs. Solche Rückmeldungen bekam sie schon viele. Und nicht zuletzt seien natürlich auch die Kinder stolz, wenn sie etwas Neues gelernt hätten. So wie das Mädchen, das es letztlich geschafft hat, die Matte zu erklimmen und jetzt freudig herunterspringt.





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